Wie Zahlenmenschen ticken – eine Selbstbefragung

„Sind Sie eigentlich Betriebswirtin?“, wurde ich kürzlich mit einer klitzekleinen Nuance des Vorwurfs gefragt. Und meine Reaktion war auf der einen Seite Abwehr und auf der anderen Seite Bestätigung. Eigentlich denke ich mich selbst auch nicht als einen Zahlenmenschen oder homo oeconomicus. Ein bisschen sehe auch ich „diese“ Menschen als „beschränkt“ in der Wahrnehmung an.

Das hat sich etwas geändert, seit ich vor kurzem Angelika Leders Buch „Wie Zahlenmenschen ticken“ gelesen habe. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich mich da in der Beschreibung des Zahlenmenschen in vielem wieder erkannt. Was jetzt Menschen, die wissen, dass ich seit über 10 Jahren im Controlling tätig bin, wahrscheinlich gar nicht überrascht. Aber mich. Ich klassifizierte mich selbst bisher nicht als „Zahlenmensch“ – nicht von der Mentalität. Dabei bin ich „meist flink, ergebnis- und zielorientiert.“ So werden Zahlenmenschen von der Autorin beschrieben. Aber ich hasse Aussagen wie „Es geht um die Sache und nicht um die Person.“ Auch das eine Aussage, die Zahlenmenschen zugeschrieben wird. Es geht meiner Meinung nach eigentlich immer um beides.

Gesunde Balance zwischen Zahlen- und Beziehungsorientiertheit

Vielleicht hat mir die Tatsache geholfen, kein einseitiger Zahlenmensch zu sein, weil ich von den Geisteswissenschaften komme. Ich bin mir bewusst, dass sich komplexe Sachverhalte nicht immer vollständig und nicht immer zutreffend in Zahlen erfassen lassen. Die Wichtigkeit von Kommunikation und von Vermittlung von Sachverhalten habe ich 2002 im FiV Mentorship von Christa van Winsen gelernt. Vor dieser Personalentwicklungsmaßnahme war ich wohl eher einseitig auf Dinge, Sachen und Aufgaben fixiert. Mit dem Mentoringprogramm habe ich begonnen, mich auch auf die menschliche Seite von Prozessen einzulassen. Das war wie eine zweite, bisher unentdeckte, Seite der Welt wahrzunehmen. Insofern bin ich einen Weg gegangen, wie ihn Angelika Leder in ihrem Buch beschreibt. Und deshalb habe ich es wahrscheinlich auch sehr gern gelesen.

Wer jetzt noch einen etwas weniger subjektiven Eindruck von dem Buch nachlesen will, der empfehle ich die Rezension aus dem Controller Magazin. Zudem habe ich einen Buchtipp zu dem Buch für die BücherFrauen Website geschrieben.

Ein Curriculum mit Gender-Perspektive

Was BücherFrauen zum Thema Aus- und Weiterbildung wünschen und bieten

Alles Fließt ruft zur Blogparade zum Thema Nachwuchs auf und ich wünsche mir für den Nachwuchs, dass der Begriff “Gender” in ihrem Curriculum enthalten ist.

Ich war dieses Jahr nicht auf dem buchcamp, obwohl dieses Netzwerkformat für mich als BücherFrau immer ein willkommenes ist, da wir dort Branchenthemen hören und uns selbst mit unseren Themen einbringen können. Aber ich habe die diversen Blogbeiträge gesehen, die auf dem von Hanna Hartberger und Dennis Schmolk betriebenen Blog „Alles fließt“ zum Thema Ausbildung und Nachwuchs gebündelt wurden. Gefreut habe ich mich Anfang letzter Woche darüber, dass Steffen Meier in seinem Beitrag zu der Blogparade ganz selbstverständlich den BücherFrauen-Slogan „Die Branche ist weiblich“ verwendet und sich dazu äußert, dass gerade Alternativen Arbeitsmodelle in dieser „weiblichen“ Branche zu einem innovativen Faktor werden könnte.

 Generationswechsel in Sicht. Und hilft er uns?

So sehen BücherFrauen das auch, hören aber aus erfahrenem Munde, dass leider die Verlagsbranche an vielen Stellen noch patriarchal und hierarchisch strukturiert ist. So sagt Sabine Dörrich auf der Podiumsdiskussion in Leipzig zu “Arbeitsmodellen der Zukunft” “Frauen müssten sich nach wie vor an stark männlich geprägte Hierarchien anpassen, wenn sie aufsteigen wollen.”

Das wird sich ändern, wenn der Generationswechsel, der gerade auch die Buchbranche erfasst, vollzogen sein wird – So kommen gerade die 1970er Jahrgänge in leitende Stellungen, und es ist auch immer mal wieder eine Frau dabei. Wie viele unter den BücherFrauen sehe auch ich die Notwendigkeit, dass bei der Wissensvermittlung die Kategorie „Gender“ genauso beachtet wird, wie die Kategorie „Generation“. Auch den jetzt Vierzigjährigen werden wir das Thema immer wieder nahebringen müssen, damit es ganz selbstverständlich Eingang in die diversen Curricula und Seminarangebote findet.

Von der Notwendigkeit, die Fremdsprache „Gender“ zu lernen

Die BücherFrauen machen über ihre BücherFrauen-Akademie Seminarangebote, die von dem Grundverständnis geprägt sind, dass die Arbeitswelt für Frauen anders aussieht als für Männer und dass dieser Umstand bei der Wissensvermittlung berücksichtigt werden sollte. Ich selbst habe in den letzten beiden Jahren über die Bücher von Marion Knaths („Spiele mit der Macht“) und Peter Modler („Das Arroganzprinzip“) viel darüber erfahren, warum ich mir in manchen Situationen im Lauf meiner Karriere den Kopf angeschlagen habe. Hätte ich dieses Wissen früher gehabt, hätte ich vielleicht einen Umweg weniger machen müssen. Beide Bücher, die sehr empfehlenswert sind, beschreiben in vielen Punkten sehr ähnlich die unterschiedlichen Reaktionsmuster, Wertmaßstäbe und Aktionsräume von Männern und Frauen. Auch ein unterschiedliches Reviergebaren und Unterschiede beim Statusdenken zählen dazu. Werden diese Unterschiede bewusst gemacht und die „inoffiziellen Spielregeln“ erklärt, kann jede und jeder produktiv damit umgehen. Das fördert das gegenseitige Verstehen und hilft, die unterschiedlichen Qualitäten gleichberechtigt in den Arbeitsprozess einzubringen. Modler vergleicht die unterschiedlichen Kommunikationsstile und Verhaltensweisen von Frauen und Männern mit Fremdsprachen, die wir ja auch lernen müssen, um uns „in der Fremde“ verständlich zu machen und unsere Anliegen dort durchzusetzen

Mentoring als Lernen im Dialog

Viele BücherFrauen haben die Erfahrung gemacht, dass Wissensvermittlung im Dialog hervorragend funktioniert. Deshalb gibt es bei den BücherFrauen seit 14 Jahren ein Mentoring-Programm. Weit über 500 Frauen haben bereits an dem Programm teilgenommen. In Stuttgart wurde gerade die fünfte Runde abgeschlossen – damit sind über 65 Mentorinnen und Mentees durch das Programm allein in dieser Regionalgruppe gegangen. Viele Mentorinnen entdecken während der Arbeit mit ihren Mentees, wie viel Erfahrung sie bereits in ihren Berufsjahren gesammelt haben – durch die Arbeit mit den Mentees wird ihnen dieser Erfahrungsschatz erst richtig bewusst.

Schlussrunde BücherFrauen Mentoring Kongress

Abschlussrunde Mentoringkongress 10 Jahre Mentroing

 Netzwerk statt Schule – die BücherFrauen-Akademie

Seit 2007 bieten die BücherFrauen spezielle Seminare für Frauen an. Es werden Themen vermittelt, die Frauen oft nicht leichtfallen, z. B. das Verhandeln eines angemessenen Honorars/Gehalts. Auch Technikthemen werden immer häufiger nachgefragt. Die BücherFrauen-E-Akademie deckt hier seit einigen Jahren einen stetig steigenden Bedarf. Zu dem Thema Buchbranche, Digitales und E_Learning gab es zudem auf der letzten Buchmesse eine Diskussionsrunde, die von den BücherFrauen koordiniert und unter dem Dach des Börsenvereins durchgeführt wurde.

Die Erfahrungen vieler Frauen in der Branche zeigen, daß Gendergerechtigkeit noch lange nicht erreicht ist. Jüngstes Beispiel ist der Beitrag „Wie mich der Sexismus im Literaturbetrieb zermürbt“, den die Bestsellerautorin Deborah Kogan kürzlich in der WELT veröffentlichte. Und deshalb werden wir an diesem Thema weiterarbeiten

Und wir freuen uns über jede, die unserer Arbeit unterstützt und unsere Anliegen in die Welt hinausträgt.

She beamed me up: P!NK in Mannheim

Frauke nach P!NK

Ich bin ja so ignorant: Bis zum 16. Mai 2013 hat mir „P!NK“ nicht wirklich was gesagt. Klar habe ich gewusst, dass sie eine junge amerikanische Sängerin ist. Wahrscheinlich hat mich der Name abgelenkt, und ich habe das umgekehrte Ausrufezeichen nicht gut genug beachtet. Da steckt sie drin, die Subversion. Also nicht industriell hergestellte Ikone, sondern eine Frau mit einer persönlichen Geschichte, deren Wurzeln im Punk liegen.

Ich war also auf Empfehlung angewiesen, als ich vor der Entscheidung stand, noch letzte Konzert-Karten für die SAP-Arena in Mannheim zu ergattern.  „Hingehen!“, war die einhellige Meinung.

Wie recht sie hatten: Ich bin drei Tage danach immer noch hin und weg von dieser Performance und recherchiere, wie sich Alecia Beth Moore nun zu so einer Allround-Künstlerin oder gar Athletin entwickeln konnte.

Sagte ich vor der Show noch: „Ich weiß nicht, wie ich sie finden soll“, hat sie mich mit ihrem Auftritt ganz auf ihre Seite gezogen und absolut überzeugt.

Ein Hauch von Salto Mortale, ein Hauch von Musical

Vielleicht liegt es an meiner medienvermittelten Sozialisation mit der Zirkus-Serie „Salto Mortale“ aus den frühen 70er Jahren. Die habe ich geliebt. Das war doch immer so aufregend, wenn sich die Trapezkünstlerin mit Augenklappe ins Nichts stürzte, und dann von den kraftvollen Armen des Partners sicher aufgefangen wurde.

Vielleicht liegt es auch an dem „Host“, eine fiktive Figur, die durch die Performance führte. Er hat dem Abend den Rahmen gegeben und auch seine Theatralik. Der Clown war auf seine Art genauso beeindruckend wie P!NK, eben in seiner Unvollkommenheit und eben eher ein Hemedle – ein schönes Bild für uns alle, die wir über die Ikone nur staunen können.

Der Clown wiederum hat in der Anlage Ähnlichkeit mit dem Erzähler in der Rocky Horror Show. Und in der ganzen Freude an der Perfektion des Körpers erinnert P!NK mich an einen aktuellen Frank‘n’Furter-Darsteller. Zwar sagt Rob Morton Fowler in einem schönen Mitschnitt seiner Verwandlung in die Bühnenfigur, dass allein O‘Briens Buch sein Vorbild war. Aber ich sage jetzt, nein es war P!NK.

Während ich über die akrobatischen Einlagen, mannigfaltigen Garderobenwechseln, den guten Sound und die gute Laune der Sängerin staunte, die nicht aufgesetzt, sondern echt rüberkam, ging mir immer der Satz im Kopf rum: „Also, das ist mir jetzt wirklich schon unheimlich.“ Eine Frau, die mit Mitte dreißig künstlerisch und athletisch-sportlich ausgeglichen Höchstleistungen mit einem Lächeln auf den Lippen vor 11.500 Leute präsentiert und den Eindruck hinterlässt, sie könne auch nochmals zwei Stunden so weiter machen. Meine Erklärung ist, diese Höchstleistungen kosten sie keine Energie, sondern sie geben sie potenziert zurück. Die Tour geht durch 130 Hallen in USA, Europa und Australien.

Sehr beruhigt lese ich gerade auf ihrer Twitter-Seite ihre Bilanz:

Sie ist also doch ein Mensch.

Rezension: “Tender Bar” von JR Moehringer

 

Frauke schreibt über “Tender Bar”

Der Zufall will‘s, dass Autor und Protagonist des Buches „Tender Bar“, JR Moehringer, in etwa mein Jahrgang ist und, wie ich, viel Prägendes in den 80er Jahren erlebt hat. Er nennt seinen Roman an anderer Stelle auch „Memoir“. Und so ist davon auszugehen, dass es sich, wenn auch fiktionalisiert, um seine eigene Geschichte handelt.

Eigene Geschichten gut erzählt sind immer einprägsame Leseerlebnisse und das ist Tender Bar auch. Neben dem Autobiographischen steht vor allem eine Bar (nicht zufällig hieß sie zunächst „Dickens Bar“) im Mittelpunkt. Hier findet JR das, was er in seinem unmittelbaren familiären Umfeld nicht findet, aber dringend fürs Erwachsenwerden benötigt: männliche Vorbilder. Und es sind wirklich tolle Typen, die der Leser zusammen mit JR in der Kneipe trifft und kennenlernt. Alle Ups und Downs seines Lebens werden dort verhandelt und kommentiert.

Und das Leben eines Jungen bis zum 25. Lebensjahr ist mit vielen Ups und Downs versehen. Vor allem, wenn er sich in Umfeldern bewegt, die nicht – in England würde man sagen – seiner „Klasse“ entsprechen. Aber es ist der Traum seiner Mutter (der wahren Heldin des Buches, wie JR am Schluss endlich versteht!), dass ihr Sohn studiert. Klar, um es einmal besser zu haben als sie. Sie selbst kämpft täglich mit existentiellen finanziellen Sorgen, trennt sich von ihrem geliebten Sohn und nimmt viele Härten auf sich, um ihm Gutes zu ermöglichen. Gemeinsam erreichen sie das Ziel. JR bekommt ein Stipendium für Yale. Continue reading

Vom Lesen in Going

Es gibt Bücher, die werden einem empfohlen und lange schon will man sie lesen. Aber es findet sich einfach keine Lücke, wo man genügend Muße hat, um sich auf das Buch so einzulassen wie man es sich wünscht. Und dann kriegt man es plötzlich doch hin und genießt die Lektüre wie früher, als Zeit endlos schien und man sich in eine Geschichte versenken konnte.

Hilfreich einen solchen Zustand herzustellen, sind Leseplätze, die eine an frühe Leseplätze erinnern. Hier im Ferienhaus Sonnseite kann ich es mir so einrichten, dass sich Lesen anfühlt „wie früher“. Auf einer Ofenbank eingemummelt, links den Kachelofen spürend und rechts, wenn sich der Blick mal aus dem Gelesenen hebt, mit Ausblick auf das Kitzbühler Horn. Ideale Bedingungen, um in der Welt eines anderen zu versinken.

Lesen in Going

Lesen in Going

Ein Gang an die Buchregale, die das Haus beherbergt, ein Scrollen auf der Website der Schiller Buchhandlung, für die ich hin und wieder Rezensionen schreibe, und die Erinnerung helfen, Leseerlebnisse der Vergangenheit zu benennen.

Ganz zu Beginn steht das „Schwarzmondtabu“ von Jutta Voss, weil sich darum hier im Haus dann mitternächtliche Diskussionen rankten. Wie der Wikipedia Eintrag zeigt, schlug die Diskussion um Buch und Person hohe Wellen.

Gerungen habe ich hier mit Walt Whitman, „Democratic Vistas“  für eine Hausarbeit in Amerikanistik – aber „Leaves of Grass“ werden am Rande mit dabei gewesen sein. Ein Leseerlebnis, das ich nicht missen möchte.

„Die Päpstin“ – fand sich hier im Buchregal. Es war viel spannender als ich erwartet hatte.

Margaret Forster, Die Dienerin (und das nur stellvertretend genannt, weil ich von Margarete Forster sehr viel gelesen habe)

Nick Hornby, Naked

Hahn, Kürzere Tage

Hanif Kureishi, Das Sag ich Dir

Alex Caput, Leon und Louise

Sicher die eine oder andere

Virginia Woolf

Und jetzt wollt Ihr wissen, was ich im Frühjahr 2013 gelesen habe. Auf dem Foto schon erkennbar und eine Besprechung folgt.

 

Ein Frühling für den Buchhandel?

Frühling

Es war ein langer Winter. Um so intensiver ist die Freude am Frühling und an der Wiederkehr von Leichtigkeit. Unvergleichlich schimmern die Knospen in frischem Grün und verbreiten eine Ahnung von Neubeginn. Auch die Buchbranche sehnt sich nach einer kräftigenden Erneuerung. Sie steckt gerade in einem harten, langanhaltenden Winter. Es ist viel Niedergang und Abschied von „Institutionen“, die in meinem Weltbild auf Dauer angelegt sind.

Herbe Verluste

Schon der Blick auf traditionsreiche Buchhandlungen, die im letzten Jahr allein in Stuttgart geschlossen haben, lässt ahnen, was da verloren gegangen ist. Zum Jahreswechsel übergab meine Lehrbuchhandlung Lindemanns die Schlüssel an Osiander. Das Ehepaar Götze geht in den Ruhestand – das gefundene Übergabe-Szenario erhält aber zunächst das Stammgeschäft in der Nadlerstrasse 4 und bietet eine Zukunftsperspektive am neuen Osiander-Standort im Gerberviertel. Zum Jahresende geschlossen hat die Buchhandlung am Bubenbad, eine ebenso traditionsreiche Wirkungsstätte von Stuttgarter Buchhandelsgrößen.

Und schließlich hat die Stuttgarter Krimibuchhandlung aufgegeben müssen. Thomas Klingenmeier hat Stimmen der Kunden darüber zusammengetragen, was ihnen fehlen wird, nach Schließung dieser Institution.

Woher kommt Erneuerung?

Zaghaft sucht die Branche nach den notwendigen Innovationen, die die herbeigesehnte Erneuerung bringen sollen. Sei es das dieses Jahr zum vierten Mal stattfindende Buchcamp oder die Initiative Prototype. Gemeinsamen Aufwind scheint das nicht zu geben und blühende Landschaften sehe ich da noch nicht am Horizont. Auch wenn die Kombination von konzertierter Marketing-Aktion „Vorsicht Buch“  und dem Imageschaden, den der Onlinehändler Amazon von der TV-Dokumentation des NDR  erlitten hat, dem Buchhandel ein lang nicht da gewesen Umsatzplus beschert.

Aufwind durch die Presse

Das dies alles dann zu dem Aufmacher der Samstagsausgabe der Stuttgarter Nachrichten am 13.4.2013 über den Buchhandel führt, hat dann doch was vom Ersten-Spargel-Essen. Und das die Schiller Buchhandlung zu den akuten Themen ausführlich befragt wird, ist nicht wirklich überraschend, aber Auftrieb gibt es doch. Das Grün muss noch viel, viel kräftiger werden. Und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

Aber Frühling liegt in der Luft.

Energie für Berlin – Energie aus Berlin

Halbmarathon in Berlin

Am 1. April- Wochenende war ich in Berlin. Ich bin dort meinen ersten Halbmarathon gelaufen. Mit Berlin ist eine meiner Heldinnengeschichten verbunden. Vor zehn Jahren ist die Firma, in der ich damals arbeitete von Stuttgart ganz nach Berlin gezogen. Ich hatte die Wahl mit zu gehen, oder einen guten Job zu verlassen. Wir waren in Stuttgart privat gerade umgezogen und genossen das Leben am Stadtrand, nah zum Wald und zu den Feldern. Auf den hinter dem Wohngebiet liegenden Feldern sieht es genauso aus, wie in meiner Kindheit in Stuttgart Vaihingen, wo ich großgeworden bin. Kurz, ich fühlte mich zuhause und angekommen. Und dann kam der Ruf mit der Firma nach Berlin zu gehen. Ich hatte mich gerade intern auf den Weg gemacht und mich zur Controllerin weitergebildet, erste selbständige Gehversuche im Berichtswesen und Präsentationen von Zahlen gemacht. Das reichte mir eigentlich an Wandel und Veränderung.

Und  jetzt das!

Ich habe mich für die Hauptstadt und das Pendeln entschieden. Es war eine anstrengende Zeit. Ich musste die Wochenenden organisieren und planen, die Heimreisen mussten finanziert werden und alle hatten Ansprüche an mich, wenn ich mal wieder zuhause war. Die nicht absehbare Dauer des Pendelns zermürbte mich genauso wie die vielen Bewerbungsprozesse, um wieder eine angemessen Stelle in Süddeutschland zu bekommen. Und in Berlin wollte ich natürlich auch die neue Stadt erkunden, neue Wege gehen und neue Leute kennenlernen. Im Rückblick war das ein wahnsinniger Reichtum, der mir da widerfuhr, nur konnte ich das erst im Nachinein und in der Distanz wahrnehmen.

Ohne diese Zeit wäre es für mich nicht vorstellbar gewesen, zwei Jahre später eine Lebenskonstellation zu haben in der ich wieder in Stuttgart wohnte, in Mannheim arbeitete und in Berlin studierte, um mit dem Medien-MBA dem beruflichen Tätigkeitswechsel das Sahnehäubchen aufzusetzen. Die Berliner Zeit und das Pendeln zwischen Stuttgart, Mannheim und Berlin schulte mein Durchhaltevermögen und mein Vertrauen auf Prozesse und das Vermögen Durst- und Hungerstrecken sowie Dürreperioden zu bestehen. Und dann irgendwann: Ernten und Genießen. In dieser Zeit lernte ich auch in stressigen Phasen locker zu bleiben. Alles Qualitäten, die mir jetzt bei dem Halbmarathon zugute kamen.

Verlorener Geldbeutel

Sinnbild für das Loslassen von Altem war für mich vor knapp 10 Jahren die Geldbeutel Geschichte. Ich fuhr nach vielleicht einem halben Jahr oder Jahr von Mannheim aus nach Berlin, um dort gefundene Freundinnen zu besuchen. Sie haben mit mir die Zeit durchlebt und da bin ich  mit ihnen ein Stück zusammengewachsen. Im Zug ließ ich meinen Geldbeutel in der Tasche am Vordersitz liegen. Zwar hatte ich den Verlust sofort nach dem Aussteigen bemerkt, aber es war zu spät, als dass der Schaffner den Geldbeutel noch hätte retten können. So habe ich ein Wochenende in Berlin ohne Geld und Papiere verbracht. Das ist in meiner Vorstellung mit das Schlimmste was überhaupt passieren kann: die bezeugbare Identität verlieren und die Mittel, mit denen ich Abhilfe von Mangel schaffen kann. Oder überhaupt auf Hilfe von anderen angewiesen zu sein. Das ist in meiner Vorstellung ein Zustand, der kaum zu überleben ist. Ich habe überlebt, sogar ganz leicht. Die Freundinnen legten das Geld aus, meine Papiere wollte keiner sehen. Ich vertraute auf den Augenblick und hatte mein Hirn und Herz weit genug offen, dass sich mir der nächste Schritt zeigte.

Es war fast ein Spaziergang dieses und jenes Wochenende in Berlin.

Apropos Zukunftstag Südwest: ein Rückblick auf BücherFrauen Veranstaltungen in Stuttgart

Was die Organisation grösserer Veranstaltungen für die BücherFrauen angeht, war 1995 Premiere. Vollversammlung, wie sie damals noch hieß, in Stuttgart. Schon die zweite in diesem Jahr. Im Frühjahr in Dresden hatten die BücherFrauen beschlossen, aus dem Frühjahrstermin einen Herbsttermin zu machen. Und da hat es mich und Susanne Martin als Städtesprecherinnen von Stuttgart getroffen. Im Herbst 1995 hatten wir ein aufregendes Jahr bereits fast hinter uns. Susanne übernimmt im Oktober die Schiller-Buchhandlung, die sie vorher 5 Jahre als angestellte Geschäftsführerin geleitet hat, ich schreibe meine Magisterarbeit über den Virago Press und büffele für die schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen in Anglistik, Amerikanistik und Geschichte.

Es war eine tolle VV. Wir überleben alles, am Ende sind wir platt, und wechseln uns ab, wer nacheinander an einer ruhigen Stelle niederliegen darf, um den Kopfschmerz auszukurieren. Aber neue Finanzfrau gefunden, die das Wort vom fiktiven Defizit prägt, erste Workshops gehalten, und Abendprogramm: Kegeln mit BücherFrauen. Das war Fun pur!

2001 wieder VV in Stuttgart bei KNV, damals noch KNOe. Ich bin gar nicht viel  in Continue reading

Egon Madsen – Ein Tanzleben! Gelesen von einem Fan

Frauke schwelgt in Erinnerungen

Mein lieber Egon, wann immer Du auf der Bühne bist, bist Du einfach genial . Du bist ein Genie . Du machst Wunder wahr . Du bist geboren mit einer Begabung, die so groß ist, dass Du es selber nicht weißt . Du kannst machen, was du willst mit Deinem Leben, aber eines darfst Du nicht vergessen: Du musst auf der Bühne sein, so lang wie Du es kannst.

(Marcia Haydee Laudatorin zum deutschen Tanzpreis 2011)

Als 16 jährige habe ich von diesem Buch geträumt. Ein ganzes Buch nur über meinen Lieblingstänzer, das hätte ich nicht mehr aus der Hand gelegt. Auf manche Dinge, so sage ich mal altklug, muss man im Leben eben warten. 31 Jahre später bringt der Henschel Verlag das erträumte Buch heraus: Egon Madsen – Ein Tanzleben.

Und es war eine Wonne darin zu lesen und in den Bildern zu schwelgen.

Der Autorin des Buches, Dagmar Ellen Fischer muss es ähnlich gegangen sein. Continue reading

Erinnerungen einer Literaturagentin – wiederentdeckt von der Edition Fünf

Lesen im Haus SonnseiteRuth Liepman, „Vielleicht ist Glück nicht nur Zufall“, Edition Fünf, Band 9, 2011

Nun gut, ich gebe zu Doris Hermanns und Heike Herrbergs Rezension ist inhaltlich nicht wirklich was hinzuzufügen.

Bis auf, daß ich mich wirklich freue im Spätsommer 2012 in Ferienhaus Sonnseite in Tirol Band 9 aus der Edition Fünf gelesen zu haben, was ich im Herbst 2011 von der Verlegerin und Literaturagentin Silke Weniger in die Hand gedrückt bekommen habe. Einen Tag nachdem sie im Münchner Literaturhaus., den bayrischen Kleinverlegerpreis 2011 entgegengenommen hat. Continue reading