Besuch bei einem Steindruckermeister – Ausflug der Stuttgarter BücherFrauen

Es ist wie im Zirkus, es ist Zauberei, die vollständige Illusion

Stuttgarter BücherFrauen besuchen einen Steindruckermeister in Esslingen

Am heißesten Sommertag diesen Jahres machten sich knapp 20 Stuttgarter BücherFrauen auf ihren traditionellen Sommerausflug. Barbara Scholz hatte, zielsicher wie schon bei anderen Ausflügen, Esslingen vorgeschlagen mit dem Besuch in einer Steindruckerei. Eine Gruppe Stuttgarter BücherFrau trafen am Esslinger Bahnhof die Esslinger BücherFrauen, und haben sogar auf dem Weg dahin noch eine BücherFrau aus Berlin getroffen. Wir sind einfach überall.

Wir spazierten ca. eine Stunde an wundervollen Esslinger Plätzen vorbei, stärkten uns mit einem Eis auf der Hand und trafen Punkt 15 Uhr beim Steindruckermeister Ulrich ein. Der hatte alle seine Gläser für uns zusammengesucht, damit wir ihm nicht verdursten und dann führte er uns in unvergleichlicher Manier rund anderthalb Stunden in einer tour de force durch die Druckgeschichte der westlichen Welt.

Lithorgrafin Heidrun Rieble für die Stuttgarter BücherFrauen

Wobei Bilder das wesentliche sind, nicht Texte. Und, dass diese vervielfältigt werden konnten, daran hatte wesentlichen Anteil Alois Senefelder.

„Was Gutenberg für den Druck war, ist Alois Senefelder für das Bild. Bilder waren verdächtig! Wahre Gelehrte brauchten nur Texte! BILDUNG geht nur durch Bilder, Bilder für alle, bunte Bilder….“ so ging das in einem anschaulichen Wortschwall kurzweilige 1 1/2 Stunden lang. Wie sein Vorbild Senefelder hat auch Herr Ulrich deutlich darstellerische Fähigkeiten und es hat ihm sichtlich Spaß gemacht sich vor einem Publikum zu präsentieren, von dem er annehmen konnte, dass es ansatzweise was von seinem Handwerk versteht. Er brennt für seinen Beruf und lässt für Senefelder und seine Berufsgenossen womöglich auch mal fünfe gerade sein, so ahnen wir.

Senefelder hat viele bahnbrechende Erfindungen gemacht, aber sich dummerweise nicht alle patentieren lassen, schilderte Ulrich. Eigentlich war er Schauspieler und auch Schriftsteller für Singspiele. Er erfand aus dem Nichts den Flachdruck, aber eigentlich deshalb weil „Noten ein Problem waren! Noten waren teuer!“  Grundlegend für seine Erfindung was der Solnhofer Plattenkalk. Und er legte damit auch die Grundlage dafür, dass die Vermessung von Bayern und später auch der Pfalz und Frankens kartographisch festgehalten werden konnte.

Die Technik wurde dann auch erfolgreich vom Esslinger Schreiber Verlag angewendet. Verlag und dessen Programm war prototypisch für die Maxime „Bildung für alle!“ (und damit war vor allem naturwissenschaftliche Bildung gemeint). Und: „Nur Farbe ist Wahrheit!“ Das Kolorieren war Aufgabe von Frauen , eine Rosa, eine Blau, eine Gelb, etc. – so lernen wir von Ulrich.

Dann wurde alles gedruckt: Farbige Postkarten – Deutschland ist Marktführer im Farbdruck! Deutsche Postkartendrucker hatten eine eigene Gewerkschaft! Briefmarkendruck, Verpackungen, Sammelbildchen – letzteres einpädagogisches Ärgernis ersten Ranges – bunte Blechschilder, Blechspielzeug.

Schließlich entdeckten Künstler die Lithografie, Goya als erstes und dann auch besonders Picasso. Die Stärke ihres Striches ist durch die Drucktechnik genau reproduzierbar. Das hat viele Künstler fasziniert.

Nach dem schon anschaulichen Theorieteil durften wir selbst Hand anlegen. Einmal exemplarisch einen Steindruck herstellen. Unsere Lithografin Heidrun hat hervorragende Arbeit geleistet! Der Prozess wurde von Ohs und Ahs begleitet, ist abereigentlich nicht beschreibbar. Es ist wie im Zirkus, es ist Zauberei!

Und dass der erste Druck der beste sei, ist nun die völlige Illusion. Genausowenig wie der erste Pfannekuchen, wie Eingeweihte einzuwerfen wussten.

Es war Edutainment at its best. Eigentlich nicht beschreibbar, da müsst ihr selbst hingehen. Solche Führungen macht der Herr Ulrich sehr sehr gerne. Sagt ihm halt, die BücherFrauen haben von ihm geschwärmt!

Und hier geht es zur weiterführenden Bildergalerie von der Fotografin und Lithografin Heidrun Rieble.

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