Ein Curriculum mit Gender-Perspektive

Was BücherFrauen zum Thema Aus- und Weiterbildung wünschen und bieten

Alles Fließt ruft zur Blogparade zum Thema Nachwuchs auf und ich wünsche mir für den Nachwuchs, dass der Begriff “Gender” in ihrem Curriculum enthalten ist.

Ich war dieses Jahr nicht auf dem buchcamp, obwohl dieses Netzwerkformat für mich als BücherFrau immer ein willkommenes ist, da wir dort Branchenthemen hören und uns selbst mit unseren Themen einbringen können. Aber ich habe die diversen Blogbeiträge gesehen, die auf dem von Hanna Hartberger und Dennis Schmolk betriebenen Blog „Alles fließt“ zum Thema Ausbildung und Nachwuchs gebündelt wurden. Gefreut habe ich mich Anfang letzter Woche darüber, dass Steffen Meier in seinem Beitrag zu der Blogparade ganz selbstverständlich den BücherFrauen-Slogan „Die Branche ist weiblich“ verwendet und sich dazu äußert, dass gerade Alternativen Arbeitsmodelle in dieser „weiblichen“ Branche zu einem innovativen Faktor werden könnte.

 Generationswechsel in Sicht. Und hilft er uns?

So sehen BücherFrauen das auch, hören aber aus erfahrenem Munde, dass leider die Verlagsbranche an vielen Stellen noch patriarchal und hierarchisch strukturiert ist. So sagt Sabine Dörrich auf der Podiumsdiskussion in Leipzig zu “Arbeitsmodellen der Zukunft” “Frauen müssten sich nach wie vor an stark männlich geprägte Hierarchien anpassen, wenn sie aufsteigen wollen.”

Das wird sich ändern, wenn der Generationswechsel, der gerade auch die Buchbranche erfasst, vollzogen sein wird – So kommen gerade die 1970er Jahrgänge in leitende Stellungen, und es ist auch immer mal wieder eine Frau dabei. Wie viele unter den BücherFrauen sehe auch ich die Notwendigkeit, dass bei der Wissensvermittlung die Kategorie „Gender“ genauso beachtet wird, wie die Kategorie „Generation“. Auch den jetzt Vierzigjährigen werden wir das Thema immer wieder nahebringen müssen, damit es ganz selbstverständlich Eingang in die diversen Curricula und Seminarangebote findet.

Von der Notwendigkeit, die Fremdsprache „Gender“ zu lernen

Die BücherFrauen machen über ihre BücherFrauen-Akademie Seminarangebote, die von dem Grundverständnis geprägt sind, dass die Arbeitswelt für Frauen anders aussieht als für Männer und dass dieser Umstand bei der Wissensvermittlung berücksichtigt werden sollte. Ich selbst habe in den letzten beiden Jahren über die Bücher von Marion Knaths („Spiele mit der Macht“) und Peter Modler („Das Arroganzprinzip“) viel darüber erfahren, warum ich mir in manchen Situationen im Lauf meiner Karriere den Kopf angeschlagen habe. Hätte ich dieses Wissen früher gehabt, hätte ich vielleicht einen Umweg weniger machen müssen. Beide Bücher, die sehr empfehlenswert sind, beschreiben in vielen Punkten sehr ähnlich die unterschiedlichen Reaktionsmuster, Wertmaßstäbe und Aktionsräume von Männern und Frauen. Auch ein unterschiedliches Reviergebaren und Unterschiede beim Statusdenken zählen dazu. Werden diese Unterschiede bewusst gemacht und die „inoffiziellen Spielregeln“ erklärt, kann jede und jeder produktiv damit umgehen. Das fördert das gegenseitige Verstehen und hilft, die unterschiedlichen Qualitäten gleichberechtigt in den Arbeitsprozess einzubringen. Modler vergleicht die unterschiedlichen Kommunikationsstile und Verhaltensweisen von Frauen und Männern mit Fremdsprachen, die wir ja auch lernen müssen, um uns „in der Fremde“ verständlich zu machen und unsere Anliegen dort durchzusetzen

Mentoring als Lernen im Dialog

Viele BücherFrauen haben die Erfahrung gemacht, dass Wissensvermittlung im Dialog hervorragend funktioniert. Deshalb gibt es bei den BücherFrauen seit 14 Jahren ein Mentoring-Programm. Weit über 500 Frauen haben bereits an dem Programm teilgenommen. In Stuttgart wurde gerade die fünfte Runde abgeschlossen – damit sind über 65 Mentorinnen und Mentees durch das Programm allein in dieser Regionalgruppe gegangen. Viele Mentorinnen entdecken während der Arbeit mit ihren Mentees, wie viel Erfahrung sie bereits in ihren Berufsjahren gesammelt haben – durch die Arbeit mit den Mentees wird ihnen dieser Erfahrungsschatz erst richtig bewusst.

Schlussrunde BücherFrauen Mentoring Kongress

Abschlussrunde Mentoringkongress 10 Jahre Mentroing

 Netzwerk statt Schule – die BücherFrauen-Akademie

Seit 2007 bieten die BücherFrauen spezielle Seminare für Frauen an. Es werden Themen vermittelt, die Frauen oft nicht leichtfallen, z. B. das Verhandeln eines angemessenen Honorars/Gehalts. Auch Technikthemen werden immer häufiger nachgefragt. Die BücherFrauen-E-Akademie deckt hier seit einigen Jahren einen stetig steigenden Bedarf. Zu dem Thema Buchbranche, Digitales und E_Learning gab es zudem auf der letzten Buchmesse eine Diskussionsrunde, die von den BücherFrauen koordiniert und unter dem Dach des Börsenvereins durchgeführt wurde.

Die Erfahrungen vieler Frauen in der Branche zeigen, daß Gendergerechtigkeit noch lange nicht erreicht ist. Jüngstes Beispiel ist der Beitrag „Wie mich der Sexismus im Literaturbetrieb zermürbt“, den die Bestsellerautorin Deborah Kogan kürzlich in der WELT veröffentlichte. Und deshalb werden wir an diesem Thema weiterarbeiten

Und wir freuen uns über jede, die unserer Arbeit unterstützt und unsere Anliegen in die Welt hinausträgt.

Ein Frühling für den Buchhandel?

Frühling

Es war ein langer Winter. Um so intensiver ist die Freude am Frühling und an der Wiederkehr von Leichtigkeit. Unvergleichlich schimmern die Knospen in frischem Grün und verbreiten eine Ahnung von Neubeginn. Auch die Buchbranche sehnt sich nach einer kräftigenden Erneuerung. Sie steckt gerade in einem harten, langanhaltenden Winter. Es ist viel Niedergang und Abschied von „Institutionen“, die in meinem Weltbild auf Dauer angelegt sind.

Herbe Verluste

Schon der Blick auf traditionsreiche Buchhandlungen, die im letzten Jahr allein in Stuttgart geschlossen haben, lässt ahnen, was da verloren gegangen ist. Zum Jahreswechsel übergab meine Lehrbuchhandlung Lindemanns die Schlüssel an Osiander. Das Ehepaar Götze geht in den Ruhestand – das gefundene Übergabe-Szenario erhält aber zunächst das Stammgeschäft in der Nadlerstrasse 4 und bietet eine Zukunftsperspektive am neuen Osiander-Standort im Gerberviertel. Zum Jahresende geschlossen hat die Buchhandlung am Bubenbad, eine ebenso traditionsreiche Wirkungsstätte von Stuttgarter Buchhandelsgrößen.

Und schließlich hat die Stuttgarter Krimibuchhandlung aufgegeben müssen. Thomas Klingenmeier hat Stimmen der Kunden darüber zusammengetragen, was ihnen fehlen wird, nach Schließung dieser Institution.

Woher kommt Erneuerung?

Zaghaft sucht die Branche nach den notwendigen Innovationen, die die herbeigesehnte Erneuerung bringen sollen. Sei es das dieses Jahr zum vierten Mal stattfindende Buchcamp oder die Initiative Prototype. Gemeinsamen Aufwind scheint das nicht zu geben und blühende Landschaften sehe ich da noch nicht am Horizont. Auch wenn die Kombination von konzertierter Marketing-Aktion „Vorsicht Buch“  und dem Imageschaden, den der Onlinehändler Amazon von der TV-Dokumentation des NDR  erlitten hat, dem Buchhandel ein lang nicht da gewesen Umsatzplus beschert.

Aufwind durch die Presse

Das dies alles dann zu dem Aufmacher der Samstagsausgabe der Stuttgarter Nachrichten am 13.4.2013 über den Buchhandel führt, hat dann doch was vom Ersten-Spargel-Essen. Und das die Schiller Buchhandlung zu den akuten Themen ausführlich befragt wird, ist nicht wirklich überraschend, aber Auftrieb gibt es doch. Das Grün muss noch viel, viel kräftiger werden. Und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

Aber Frühling liegt in der Luft.