Wie Zahlenmenschen ticken – eine Selbstbefragung

„Sind Sie eigentlich Betriebswirtin?“, wurde ich kürzlich mit einer klitzekleinen Nuance des Vorwurfs gefragt. Und meine Reaktion war auf der einen Seite Abwehr und auf der anderen Seite Bestätigung. Eigentlich denke ich mich selbst auch nicht als einen Zahlenmenschen oder homo oeconomicus. Ein bisschen sehe auch ich „diese“ Menschen als „beschränkt“ in der Wahrnehmung an.

Das hat sich etwas geändert, seit ich vor kurzem Angelika Leders Buch „Wie Zahlenmenschen ticken“ gelesen habe. Zu meiner eigenen Überraschung habe ich mich da in der Beschreibung des Zahlenmenschen in vielem wieder erkannt. Was jetzt Menschen, die wissen, dass ich seit über 10 Jahren im Controlling tätig bin, wahrscheinlich gar nicht überrascht. Aber mich. Ich klassifizierte mich selbst bisher nicht als „Zahlenmensch“ – nicht von der Mentalität. Dabei bin ich „meist flink, ergebnis- und zielorientiert.“ So werden Zahlenmenschen von der Autorin beschrieben. Aber ich hasse Aussagen wie „Es geht um die Sache und nicht um die Person.“ Auch das eine Aussage, die Zahlenmenschen zugeschrieben wird. Es geht meiner Meinung nach eigentlich immer um beides.

Gesunde Balance zwischen Zahlen- und Beziehungsorientiertheit

Vielleicht hat mir die Tatsache geholfen, kein einseitiger Zahlenmensch zu sein, weil ich von den Geisteswissenschaften komme. Ich bin mir bewusst, dass sich komplexe Sachverhalte nicht immer vollständig und nicht immer zutreffend in Zahlen erfassen lassen. Die Wichtigkeit von Kommunikation und von Vermittlung von Sachverhalten habe ich 2002 im FiV Mentorship von Christa van Winsen gelernt. Vor dieser Personalentwicklungsmaßnahme war ich wohl eher einseitig auf Dinge, Sachen und Aufgaben fixiert. Mit dem Mentoringprogramm habe ich begonnen, mich auch auf die menschliche Seite von Prozessen einzulassen. Das war wie eine zweite, bisher unentdeckte, Seite der Welt wahrzunehmen. Insofern bin ich einen Weg gegangen, wie ihn Angelika Leder in ihrem Buch beschreibt. Und deshalb habe ich es wahrscheinlich auch sehr gern gelesen.

Wer jetzt noch einen etwas weniger subjektiven Eindruck von dem Buch nachlesen will, der empfehle ich die Rezension aus dem Controller Magazin. Zudem habe ich einen Buchtipp zu dem Buch für die BücherFrauen Website geschrieben.

She beamed me up: P!NK in Mannheim

Frauke nach P!NK

Ich bin ja so ignorant: Bis zum 16. Mai 2013 hat mir „P!NK“ nicht wirklich was gesagt. Klar habe ich gewusst, dass sie eine junge amerikanische Sängerin ist. Wahrscheinlich hat mich der Name abgelenkt, und ich habe das umgekehrte Ausrufezeichen nicht gut genug beachtet. Da steckt sie drin, die Subversion. Also nicht industriell hergestellte Ikone, sondern eine Frau mit einer persönlichen Geschichte, deren Wurzeln im Punk liegen.

Ich war also auf Empfehlung angewiesen, als ich vor der Entscheidung stand, noch letzte Konzert-Karten für die SAP-Arena in Mannheim zu ergattern.  „Hingehen!“, war die einhellige Meinung.

Wie recht sie hatten: Ich bin drei Tage danach immer noch hin und weg von dieser Performance und recherchiere, wie sich Alecia Beth Moore nun zu so einer Allround-Künstlerin oder gar Athletin entwickeln konnte.

Sagte ich vor der Show noch: „Ich weiß nicht, wie ich sie finden soll“, hat sie mich mit ihrem Auftritt ganz auf ihre Seite gezogen und absolut überzeugt.

Ein Hauch von Salto Mortale, ein Hauch von Musical

Vielleicht liegt es an meiner medienvermittelten Sozialisation mit der Zirkus-Serie „Salto Mortale“ aus den frühen 70er Jahren. Die habe ich geliebt. Das war doch immer so aufregend, wenn sich die Trapezkünstlerin mit Augenklappe ins Nichts stürzte, und dann von den kraftvollen Armen des Partners sicher aufgefangen wurde.

Vielleicht liegt es auch an dem „Host“, eine fiktive Figur, die durch die Performance führte. Er hat dem Abend den Rahmen gegeben und auch seine Theatralik. Der Clown war auf seine Art genauso beeindruckend wie P!NK, eben in seiner Unvollkommenheit und eben eher ein Hemedle – ein schönes Bild für uns alle, die wir über die Ikone nur staunen können.

Der Clown wiederum hat in der Anlage Ähnlichkeit mit dem Erzähler in der Rocky Horror Show. Und in der ganzen Freude an der Perfektion des Körpers erinnert P!NK mich an einen aktuellen Frank‘n’Furter-Darsteller. Zwar sagt Rob Morton Fowler in einem schönen Mitschnitt seiner Verwandlung in die Bühnenfigur, dass allein O‘Briens Buch sein Vorbild war. Aber ich sage jetzt, nein es war P!NK.

Während ich über die akrobatischen Einlagen, mannigfaltigen Garderobenwechseln, den guten Sound und die gute Laune der Sängerin staunte, die nicht aufgesetzt, sondern echt rüberkam, ging mir immer der Satz im Kopf rum: „Also, das ist mir jetzt wirklich schon unheimlich.“ Eine Frau, die mit Mitte dreißig künstlerisch und athletisch-sportlich ausgeglichen Höchstleistungen mit einem Lächeln auf den Lippen vor 11.500 Leute präsentiert und den Eindruck hinterlässt, sie könne auch nochmals zwei Stunden so weiter machen. Meine Erklärung ist, diese Höchstleistungen kosten sie keine Energie, sondern sie geben sie potenziert zurück. Die Tour geht durch 130 Hallen in USA, Europa und Australien.

Sehr beruhigt lese ich gerade auf ihrer Twitter-Seite ihre Bilanz:

Sie ist also doch ein Mensch.

Rezension: “Tender Bar” von JR Moehringer

 

Frauke schreibt über “Tender Bar”

Der Zufall will‘s, dass Autor und Protagonist des Buches „Tender Bar“, JR Moehringer, in etwa mein Jahrgang ist und, wie ich, viel Prägendes in den 80er Jahren erlebt hat. Er nennt seinen Roman an anderer Stelle auch „Memoir“. Und so ist davon auszugehen, dass es sich, wenn auch fiktionalisiert, um seine eigene Geschichte handelt.

Eigene Geschichten gut erzählt sind immer einprägsame Leseerlebnisse und das ist Tender Bar auch. Neben dem Autobiographischen steht vor allem eine Bar (nicht zufällig hieß sie zunächst „Dickens Bar“) im Mittelpunkt. Hier findet JR das, was er in seinem unmittelbaren familiären Umfeld nicht findet, aber dringend fürs Erwachsenwerden benötigt: männliche Vorbilder. Und es sind wirklich tolle Typen, die der Leser zusammen mit JR in der Kneipe trifft und kennenlernt. Alle Ups und Downs seines Lebens werden dort verhandelt und kommentiert.

Und das Leben eines Jungen bis zum 25. Lebensjahr ist mit vielen Ups und Downs versehen. Vor allem, wenn er sich in Umfeldern bewegt, die nicht – in England würde man sagen – seiner „Klasse“ entsprechen. Aber es ist der Traum seiner Mutter (der wahren Heldin des Buches, wie JR am Schluss endlich versteht!), dass ihr Sohn studiert. Klar, um es einmal besser zu haben als sie. Sie selbst kämpft täglich mit existentiellen finanziellen Sorgen, trennt sich von ihrem geliebten Sohn und nimmt viele Härten auf sich, um ihm Gutes zu ermöglichen. Gemeinsam erreichen sie das Ziel. JR bekommt ein Stipendium für Yale. Continue reading

Egon Madsen – Ein Tanzleben! Gelesen von einem Fan

Frauke schwelgt in Erinnerungen

Mein lieber Egon, wann immer Du auf der Bühne bist, bist Du einfach genial . Du bist ein Genie . Du machst Wunder wahr . Du bist geboren mit einer Begabung, die so groß ist, dass Du es selber nicht weißt . Du kannst machen, was du willst mit Deinem Leben, aber eines darfst Du nicht vergessen: Du musst auf der Bühne sein, so lang wie Du es kannst.

(Marcia Haydee Laudatorin zum deutschen Tanzpreis 2011)

Als 16 jährige habe ich von diesem Buch geträumt. Ein ganzes Buch nur über meinen Lieblingstänzer, das hätte ich nicht mehr aus der Hand gelegt. Auf manche Dinge, so sage ich mal altklug, muss man im Leben eben warten. 31 Jahre später bringt der Henschel Verlag das erträumte Buch heraus: Egon Madsen – Ein Tanzleben.

Und es war eine Wonne darin zu lesen und in den Bildern zu schwelgen.

Der Autorin des Buches, Dagmar Ellen Fischer muss es ähnlich gegangen sein. Continue reading

Erinnerungen einer Literaturagentin – wiederentdeckt von der Edition Fünf

Lesen im Haus SonnseiteRuth Liepman, „Vielleicht ist Glück nicht nur Zufall“, Edition Fünf, Band 9, 2011

Nun gut, ich gebe zu Doris Hermanns und Heike Herrbergs Rezension ist inhaltlich nicht wirklich was hinzuzufügen.

Bis auf, daß ich mich wirklich freue im Spätsommer 2012 in Ferienhaus Sonnseite in Tirol Band 9 aus der Edition Fünf gelesen zu haben, was ich im Herbst 2011 von der Verlegerin und Literaturagentin Silke Weniger in die Hand gedrückt bekommen habe. Einen Tag nachdem sie im Münchner Literaturhaus., den bayrischen Kleinverlegerpreis 2011 entgegengenommen hat. Continue reading

Alles ist möglich, wenn man voller Überzeugung dafür kämpft

Lesen im Haus Sonnseite

Autobiographie der Emotion Verlegerin Katarzyna Mol

Den Lektüretipp zu Katarzyna Mol „Mit dem Herz in der Hand“ bekamen die BücherFrauen von Susanne Krones, die auf die ausführliche Rezension auf Horizont Net   hinwies. Und das was dort beschrieben wurde, hat mich schon sehr neugierig gemacht.  Management Buy Outs sind ja von jeher spannende Konstellationen. Aber auch, daß es sich um eine Lebensgeschichte handelt, die in der Stadt Jelenia Gora beginnt, in die auch in der weiteren eigenen Familie Wurzeln hin zurückreichen, haben mich neugierig gemacht.

Meine Lektüre war in zwei Abschnitte geteilt, die ersten 100 Seiten habe ich auf meinen Zugfahrten gelesen, die letzte 200 Seiten dann im Urlaub mehr oder weniger am Stück weg. Das ganze Buch ist spannend und sehr ehrlich geschrieben und jedeR auch an Mediengeschichte, Gründungsgeschichten Interessierten, zu empfehlen. Continue reading

Connie Palmen, die Freundschaft

Für Schiller Buch‘s Jubiläumsaktion „Mein Buch der Bücher“ habe ich doch jetzt tatsächlich, den Roman, der mir dazu einfällt, Connie Palmens „Freundschaft“ nach 12 Jahren wieder gelesen. Ich glaube, es war auch eines der wenigen Bücher, die ich nach dem erstmaligen Lesen gleich nochmals gelesen habe, um die angelegten Dimensionen angemessen zu verstehen.  Continue reading

Anna Katharina Hahn, Kürzere Tage

Anna Katherina Hahn schildert multiperspektivisch aus den Leben der klar in Stuttgart lokalisierbaren Topografie – zwischen Olgaeck und Uhlandshöhe – von vier Menschen, deren Zusammengehörigkeit sich dem Leser bzw. der Leserin erst am Ende des Buches in einem Countdown enthüllt. Die Charaktere werden dabei glasklar beschrieben und prägen sich intensiv ein. Zunächst scheint es etwas sehr in der nur scheinbaren Idylle Continue reading

Hinter den Kulissen von Disney‘ Schöne und das Biest

Banner Nationaltheater

Das Banner am Nationaltheater in Mannheim

Vor der Vorstellung von Disne‘y Schöne und das Biest gab es für BB Promotion Mitarbeiter Innen eine kurze Führung in die Kulissen der Produktion, die vom Budapester Operettentheater aufgeführt wird. Die Truppe kam von einem 3 Wochen Gastspiel in der Semper Oper in Dresden und macht jetzt 12 Tage Station im Mannheimer Nationaltheater.

Startpunkt der Führung "Hinter den Kulissen"

Startpunkt der Führung “Hinter den Kulissen”

Für Disney Schöne sind 86 Personen auf Tour, dies beinhaltet bei dieser Produktionen einen großen technischen Stab. Nicht zuletzt wegen der Drehbühne, die eigens mitgebracht wird. 150 Kostüme und 50 Perücken. Dafür braucht es zum Transport 5 Trucks.

Operettehaus

Transport der Materialien

Die Atmosphäre war schön, durch den Bühneneingang durchs Treppenhaus auf die Bühne zu gehen, den Geruch eines Theaters zu riechen, und sich zwischen den sich warm singenden Darstellern aufzuhalten. Wir sind die Treppe auf der Drehbühne hochgegangen, das war eine ganz schön wackelige Angelegenheit, haben die Schnellumkleide hinter der Bühne gesehen sowie Teile der Kostüme. Die letzten technischen Checks wurden gemacht und wir waren in den Garderoben und konnten zu sehen wie die Darsteller geschminkt wurden.

Schnellwechsel Garderobe hinter der Bühne

Schnellwechsel Garderobe hinter der Bühne

Das ganze dann eineinhalb Stunden als Aufführung zu erleben, hat noch mehr Spaß gemacht. Und mit dem Insider Blick von zuvor, hat sogar mir Die Schöne und das Biest viell besser gefallen, als ich das erwartet hatte.