Egon Madsen – Ein Tanzleben! Gelesen von einem Fan

Frauke schwelgt in Erinnerungen

Mein lieber Egon, wann immer Du auf der Bühne bist, bist Du einfach genial . Du bist ein Genie . Du machst Wunder wahr . Du bist geboren mit einer Begabung, die so groß ist, dass Du es selber nicht weißt . Du kannst machen, was du willst mit Deinem Leben, aber eines darfst Du nicht vergessen: Du musst auf der Bühne sein, so lang wie Du es kannst.

(Marcia Haydee Laudatorin zum deutschen Tanzpreis 2011)

Als 16 jährige habe ich von diesem Buch geträumt. Ein ganzes Buch nur über meinen Lieblingstänzer, das hätte ich nicht mehr aus der Hand gelegt. Auf manche Dinge, so sage ich mal altklug, muss man im Leben eben warten. 31 Jahre später bringt der Henschel Verlag das erträumte Buch heraus: Egon Madsen – Ein Tanzleben.

Und es war eine Wonne darin zu lesen und in den Bildern zu schwelgen.

Der Autorin des Buches, Dagmar Ellen Fischer muss es ähnlich gegangen sein. Selber als Kind eine Tanzkarriere anstrebend (was bei mir nie, – weil hoffnungslos -, der Fall war) diese aber nicht verwirklichen könnend, schenkte ihr Vater ihr Bücher über Tanz: „Ein Bildband dokumentierte das Stuttgarter Ballett. Die Fotos schaute ich immer wieder an, aber eigentlich faszinierten mich nur Abbildungen, auf denen Egon Madsen tanzte. Ich suchte seinen Namen gezielt in Bildunterschriften. Er hatte ein Gesicht, das auffiel, und eine Ausstrahlung, die über das flächige schwarz-weiß Foto hinaus wirkte. Seine Sprünge schienen aus dem Buch hinaus zu wollen, er war dreidimensional.“ Sehr schöne Beschreibung fand ich das und hat mir die Autorin schon sehr sympathisch gemacht.

Mein Leseerlebnis war zweigeteilt. Ich bin ziemlich sicher, bis zur Abschlussvorstellung Onegin im Juli 1981 über alles in Sachen Egon Madsen Veröffentlichte in Kenntnis gewesen zu sein, es in der Bibliothek ausgeliehen, kopiert, aus Zeitungen ausgeschnitten und aufgeklebt zu haben. Dann ist ein Bruch – denn dann ging Egon Madsen nach Frankfurt, wohin ich ihm für eine Vorstellung, wenn ich mich dunkel erinnere, sogar auch noch gefolgt bin. Aber 1981 gab es kein Internet, man konnte nicht so ohne weiteres auf einen Klick haben, was über den geliebten Tänzer veröffentlicht wurde. Aber um so wertvoller ist natürlich das in vielen Leitz Ordnern zusammengesammelte.

Mit Egon Madsens Weggang aus Stuttgart, ist meine Ballettliebe dann ein bisschen abgeflaut.

Aber was mir beim Lesen schönes einfiel: 1979 habe ich mit meiner Mutter eine (inoffizielle) Fanreise nach Dänemark gemacht habe. Irgendwie traf es sich gut, daß eine Freundin meiner Mutter das dänische Fremdenverkehrsamt in München leitete, und ich ein Faible für einen dänischen Tänzer entwickelt hatte. Die Dinge kamen zusammen und herauskam eine Fahrradtour auf Fünen, wo man ganz zufällig Ringe (Geburtstort Madsens) besuchen konnte, natürlich einen Städtebesuch in Kopenhagen einplante, der auch einen Besuch des Tivoli inkl. des Pantomimentheaters umfasste. Der hervorragende Anhang (Rollenverzeichnis) des Buches bildet alle Stationen Madsens ab und natürlich auch diesen.

Und so habe kenne ich (das veröffentlichte) Leben bis 1981 recht genau, und fast alles ab 1981 war in dieser zusammenhängenden Qualität jetzt Neuland. Spannendes Neuland. Was macht ein Mensch, in der zweiten Hälfte seines Lebens, wenn die „erste“ Karriere selbstbestimmt zunächst beendet wurde?

Wenn man Marcia Haydee‘s Laudatio glauben schenken darf, war beim Abschied aus Stuttgart auf jeden Fall mit Frau und Partnerin Lucia Isenring und Sohn Flurin ein Kraftpol gefunden, der einen nicht nur einfachen Weg durch die internationale Ballettlandschaft unterstützte: Leiter des Frankfurter Balletts, Ballettdriektor des Königlich schwedischen Balletts in Stockholm und des Theatro Communale in Florenz, Stellvertretender Ballettdirektor in Stuttgart, Ballettmeister des Leipziger Balletts, Tänzer und Künstlerischer Leiter des Nederlands Dans Theatre III, Tänzer, Schauspieler , Pädagoge und Coach u.a. Gauthier Dance Theatre Stuttgart.

Spannende Projekte waren da dabei – am spannendsten sicher das Nederlands Danse Theatre 3 (NDT 3) in dem Tänzer und Tänzerinnen über 40 Jahren tanzten. Sieben Jahre stand Egon Madsen dieser Kompagnie vor. Und das war dann auch der Ansatz, der ihn ja dann mit dem Eric Gauthier Dance  auch in Stuttgart wieder auf die Bühne geführt hat. Ach wie schön, war das Don Q. zu sehen und Dear John. Ich erinnere mich, wie wir zum Auto auf dem Parkplatz laufen und sehen von draußen wie Egon Madsen die Treppe runterkommt. Ich sage zu meiner Begleitung: „Mit 16 hätte ich mir natürlich eine Unterschrift jetzt geholt.“ Und dann kriege ich gesagt, „Na komm, das machen wir jetzt natürlich auch. Du hast doch das Plakat und da kommt jetzt noch eine Unterschrift drauf.“ Und so haben wir es gemacht – und ich fühlte mich 16 Jahre jung.

Und so fühlte ich mich auch beim Lesen des Buches – eine so tolle Bildauswahl und sorgfältigst zusammen gestellt. Ich stelle fest, ich habe wirklich fast alle Rollen in Stuttgart gesehen, die er gespielt hat.

Und die Schlussworte gehen einer zu Herzen, sind es doch universelle, die jedeR sich vorstellen kann: “Jetzt, da ich älter werde, denke ich manchmal, es wäre doch schön, wenn meine Eltern sehen könnte, was ich alles gemacht habe. Aber die sehen es wahrscheinlich auch von irgendwo.” Und die sich jedeR wünscht mal sagen zu können:”Ich habe im Leben alles bekommen, was ich mir wünschte.”

Und hier der Link zu einem Video anlässlich der Verleihung des deutschen Tanzpreises an Egon Madsen 2011, wer eine bisschen schauen mag auf die Ausstrahlung die dieser Tänzer hat.

 

Schrankwand eines Egon Madsen Fans in den späten 70ern

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