Jon Krakauer, In die Wildnis

Was veranlasst einen jungen, intelligenten Mann aus guten Verhältnissen alle Annehmlicheiten der Zivilisation hinter sich zu lassen, sich einen neuen Namen zuzulegen. alles Geld was er besitzt einem guten Zwecke zuzuführen und seinen Ehrgeiz daran zu setzen in der Wildnis zu überleben? Die Wildnis ist für Chris McCandless Alaska und seine “Geschichte” wird erzählt von dem in Deutschland durch seine dokumentarische Aufarbeitung einer Himalaya Expedition bereits bekannten Journalisten Jon Krakauer. Sehr behutsam versucht der Autor, der 1993 für die Zeitschrift “Ouside” einen 9000 Wörter langen Artikel über die in Alaska aufgefundene Leiche McCandless geschrieben hatte, durch Gespräche mit den Eltern McCandless, seiner Schwester, aber vor allem in Gesprächen mit den Menschen, denen sich McCandless nach seinem Abschied von der “bürgerlichen” Existenz anvertraut hatte, sich der “Wahrheit”, der Motivation dieses McCandless in der Langform eines 200 Seiten Buches anzuähern. Dabei scheut sich Krakauer nicht, Autobiographisches seiner Selbst miteinzuflechten. Aber auch die von McCandless konsumierte Lektüre (Jack London, Thoreau, Tolstoi etc,) seitdem er sich in die Wildnis begeben hatte, werden den einzelnen Kapitel erläuternd vorangestellt. Karten- und Fotomaterial runden den Band ab. Nach den 200 Seiten ist uns der doch so anonyme junge Mann sehr nahekommen. In ihm spiegelt sich der Wunsch nach einer originären, authentischen Erfahrung, die in unserer von Abziehbildern geprägten Gesellschaft immer schwerer zu haben ist. Krakauer lässt dem Leser das Gefühl, dass dies McCandless gelungen sein mag. Eine sehr lohnende Lektüre für alle, die den Himalaja Band schon verschlungen haben, aber auch für LiehaberInnen von Biograpien und NaturliebhaberInnen.

Ursprünglich veröffentlicht bei www.schiller-buch.de

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